Ein Wechsel von VMware zu Proxmox VE ist für viele kleine und mittlere Unternehmen eine Überlegung wert, seit Broadcom nach der Übernahme von VMware die Lizenzierung grundlegend umgestellt hat. Proxmox VE ist eine ausgereifte Open-Source-Virtualisierungsplattform mit eingebautem Import-Assistenten für ESXi-VMs. Ob der Wechsel für Ihre Umgebung passt, hängt aber von Anwendungen, Hardware, Hochverfügbarkeitsanforderungen und vorhandenem Know-how ab.
Hintergrund: Was sich bei VMware geändert hat
Nach der Übernahme von VMware kündigte Broadcom Mitte Dezember 2023 an, keine unbefristeten Lizenzen (Dauerlizenzen) mehr zu verkaufen und das Angebot auf Abonnements umzustellen. Laut einem VMware-Blogbeitrag vom Januar 2024 gab es ab Januar 2024 im Kern zwei Pakete – VMware Cloud Foundation und VMware vSphere Foundation –, die nur noch als Abonnement erhältlich sind. Das Portfolio ändert sich seitdem weiter; welche Pakete aktuell verfügbar sind, klärt Ihr Broadcom-Partner. Viele Einzelprodukte sind nicht mehr separat erhältlich.
Was bedeutet das für bestehende Dauerlizenzen? Laut einem Broadcom-Knowledge-Base-Artikel bleibt die Nutzungsberechtigung nach Ablauf des Support-Vertrags (Support and Subscription, SnS) bestehen, die Systeme laufen weiter. Der Zugang zu neuen Patches, Sicherheitsupdates und Support ist dann jedoch aktiven Verträgen vorbehalten. Ein Hypervisor ohne Sicherheitsupdates ist für produktive Server kaum vertretbar – siehe auch unseren Beitrag zum Patchmanagement.
Zum kostenlosen ESXi: Die frühere Gratis-Variante wurde im Februar 2024 eingestellt. Seit ESXi 8.0 Update 3e (April 2025) bietet Broadcom laut eigener Knowledge Base wieder eine kostenlose Version an – allerdings ohne Verwaltung über vCenter, ohne Funktionen wie vMotion, HA oder Backup-Schnittstellen (VADP) und ohne offiziellen Support. Für die meisten Unternehmensumgebungen ist das keine echte Alternative.
Konditionen und Preise ändern sich; maßgeblich ist das Angebot, das Ihnen Broadcom oder Ihr Partner zur Verlängerung vorlegt.
Was ist Proxmox VE?
Proxmox Virtual Environment (VE) ist eine Plattform für virtuelle Maschinen und Container. Entwickelt wird sie von der Proxmox Server Solutions GmbH mit Sitz in Wien. Die Software steht unter der Open-Source-Lizenz AGPLv3.
Wichtige Eigenschaften:
- Weboberfläche für Verwaltung von VMs, Speicher, Netzwerk und Cluster
- Cluster und Hochverfügbarkeit (HA) über mehrere Hosts
- Integrierte Backup-Funktion, ergänzt durch den separaten Proxmox Backup Server
- Optionale Subskription pro belegtem CPU-Sockel: Sie bringt Zugang zum Enterprise-Repository mit stabilen, getesteten Updates und – ab der Stufe Basic – Hersteller-Support (Preisseite). Für produktive Umgebungen empfehlen wir eine Subskription.
Der Migrationsweg im Überblick
| Schritt | Inhalt |
|---|---|
| 1. Bestandsaufnahme | Alle VMs, Betriebssysteme, Ressourcen, Abhängigkeiten, Lizenzen, Backup-Konzept |
| 2. Kompatibilität | Hardware, Speicher, Netzwerk, Fachanwendungen, Herstellerfreigaben |
| 3. Backup | Vollständige, geprüfte Sicherung jeder VM vor dem Umzug |
| 4. Testmigration | Unkritische VM umziehen, Funktion und Leistung prüfen |
| 5. Umstellung | Produktive VMs in Wartungsfenstern migrieren, Rückfallebene bereithalten |
| 6. Nacharbeiten | Treiber, Gast-Agent, Backup-Jobs, Monitoring, Dokumentation |
Import-Assistent für ESXi
Seit Proxmox VE 8.2 (veröffentlicht im April 2024) enthält Proxmox einen integrierten Import-Assistenten, der VMs von ESXi übernimmt (laut Proxmox getestet mit ESXi 6.5 bis 8.0 – bei neueren Versionen vorab prüfen) und die meisten Einstellungen auf das Proxmox-Format überträgt. Das Proxmox-Wiki zur Migration nennt dabei wichtige Grenzen:
- Disks auf vSAN lassen sich nicht direkt importieren, sie müssen vorher verschoben werden.
- Verschlüsselte VM-Disks können nicht importiert werden.
- Der Zustand eines virtuellen TPM (vTPM) kann nicht übernommen werden. Wer darauf Festplattenverschlüsselung wie BitLocker stützt, braucht die Wiederherstellungsschlüssel.
- VMs mit Snapshots importieren deutlich langsamer.
- Die Quell-VM soll vor dem Import heruntergefahren werden.
Treiber und VirtIO
Proxmox arbeitet mit VirtIO, paravirtualisierten Treibern für Festplatte und Netzwerk. Linux bringt diese meist mit, Windows nicht. Laut Proxmox-Wiki starten migrierte Windows-VMs zunächst nur mit IDE- oder SATA-Laufwerken; die Umstellung auf VirtIO erfordert zusätzliche Schritte. Die Treiber stammen aus dem Projekt virtio-win (Hinweise im Wiki). Die Treiber der alten Plattform (VMware Tools) sollten nach der Migration entfernt werden.
Stolpersteine
- Windows-Treiber: Fehlende oder unpassende VirtIO-Treiber führen zu Startproblemen oder schwacher Leistung. Das gehört in die Testmigration.
- Lizenzierung der Gastsysteme: Windows Server, SQL Server und Fachanwendungen werden unabhängig vom Hypervisor lizenziert. Manche Software bindet die Lizenz an Hardwaremerkmale und muss nach dem Umzug neu aktiviert werden. Im Zweifel den Hersteller oder Lizenzpartner fragen.
- Hochverfügbarkeit: Laut Proxmox-Dokumentation braucht Hochverfügbarkeit mindestens drei Cluster-Knoten für ein verlässliches Quorum (Mehrheitsentscheidung im Cluster), gemeinsamen Speicher, den alle Knoten erreichen, und redundante Hardware. Das lässt sich nicht einfach aus einer bestehenden VMware-Umgebung übernehmen.
- Herstellerfreigaben: Manche Fachanwendungen nennen nur bestimmte Plattformen als unterstützt. Das sollte vor der Entscheidung geklärt sein.
- Know-how: Proxmox basiert auf Debian Linux. Betrieb, Updates und Fehlersuche unterscheiden sich von VMware. Wer intern nur VMware-Erfahrung hat, sollte Schulung oder Betreuung einplanen.
Ein Wechsel lohnt sich nicht automatisch für jede Umgebung. Ob und wann er sinnvoll ist, zeigt erst die Bestandsaufnahme.
Aus der Praxis in Mittelhessen
Häufig sehen wir bei kleineren Unternehmen, Praxen, Kanzleien und Kommunen einen oder zwei ESXi-Hosts mit wenigen VMs, oft noch mit Dauerlizenz und auslaufendem Support-Vertrag. Spätestens wenn die Verlängerung ansteht oder die Server-Hardware erneuert wird, stellt sich die Frage: Abo verlängern oder Plattform wechseln? Typisch ist auch, dass Backup-Konzept und Lizenzen der Gastsysteme bei dieser Gelegenheit ohnehin überarbeitet werden müssen.
Wie Aegis Core unterstützt
Wir setzen Proxmox VE als Virtualisierungsplattform ein und begleiten den Wechsel von VMware: Bestandsaufnahme, Prüfung von Hardware und Anwendungen, Planung von Cluster, Speicher und Netzwerk, Sicherung vor der Migration, Testmigration und Umstellung in abgestimmten Wartungsfenstern. Anschließend binden wir die neue Plattform in Backup, Monitoring und Patchmanagement ein – auf Wunsch im Rahmen unseres Managed IT Service.
Sie möchten wissen, ob ein Wechsel für Ihre Umgebung in Frage kommt? Sprechen Sie uns über Kontakt an.
Kurz zusammengefasst
- Broadcom hat bei VMware die Dauerlizenzen eingestellt und auf Abonnements umgestellt; ohne aktiven Vertrag gibt es keinen regulären Zugang zu Patches und Support.
- Proxmox VE ist Open Source aus Wien, mit optionaler Subskription für Enterprise-Updates und Support.
- Seit Version 8.2 gibt es einen Import-Assistenten für ESXi-VMs – mit Grenzen bei vSAN, Verschlüsselung und vTPM.
- Windows-Treiber, Gast-Lizenzierung, HA-Anforderungen und Know-how sollten vor der Entscheidung geprüft werden.
